Impuls 2. Woche Montag

Hieronymus Bosch, Acedia

Die Trägheit stellt Hieronymus Bosch auf seinem besagten Gemälde als einen Mönch dar, der das Gebet verschläft. Mit Trägheit ist die des Geistes gemeint. Bosch setzt sie in seinem Bild als Gleichgültigkeit gegenüber dem Glauben und Gott um. Der Geistliche hat es sich im Lehnstuhl bequem gemacht. Die Bibel liegt zugemacht links von ihm an der Seite. Hinter ihm; die Klosterschwester reicht ihm die Gebetsschnur und das Gebetsbuch, dem Gegenüber das schlafende Gesicht des Mönches. Die Trägheit – so drücken es viele Künstler aus – ist eine undankbare Abneigung gegenüber dem Leben. Man hat zu nichts Lust. Man wehrt sich gegen das Leben. Und man ist ohne Energie. Im Bild erkennt man diese Energielosigkeit im Kamin, das Feuer ist im ausgehen, ebenso die Kerze über den Kamin ist erloschen, der Hund liegt eingerollt vor dem Kamin.  Die ganze Energie des Menschen ist gleichsam im Unbewussten gebunden. Eine solche Stimmung trennt den Menschen von Gott, oder, der Mensch ist nicht länger in Berührung mit seiner seelischen Welt und mit seinem wahren Selbst. Im Bild ganz unten das Wort “Acedia”

Acedia

Das Wort Akedia (griechisch) oder Acedia (lateinisch) kann man nicht einfach mit Trägheit übersetzen. Das wäre zu einseitig. Für die Wüstenväter war die Akedia eine Gefährdung, die den Mönch aus seiner Mitte herausreißt und ihm seine Identität raubt. Dieser Zustand, der Akedia wird auch »Mittagsdämon« genannt, weil er vor allem am Mittag den Mönch heimsucht. Da hat er keine Lust, etwas zu tun. Da ist er müde und träge und lustlos. Evagrius Ponticus beschreibt die Akedia humorvoll so: Ein Mönch sitzt in seiner Zelle und liest die Bibel. Dann wird er schläfrig, legt die Bibel auf den Boden und nimmt sie als Kopfkissen. Er möchte ein wenig schlafen, aber das gelingt ihm nicht. Er steht wieder auf, schaut zum Fenster hinaus, ob nicht ein anderer Mönch kommt, um ihn zu besuchen. Dann schimpft er auf die Mönche, die kein Herz haben und ihn so alleine lassen. Anschließend geht er zurück in seine Zelle, um sich dann zu ärgern, dass sie feucht ist. Jetzt juckt ihn sein Habit. Er möchte am liebsten aus der Haut fahren. Was hier deutlich wird: Akedia ist die Unfähigkeit, im Augenblick zu sein. Man möchte immer an einem anderen Ort sein, als man gerade ist, und nirgends fühlt man sich wohl. Schuld daran sind die anderen oder die Umstände. Man hat keine Lust zu arbeiten. Das ist zu anstrengend. Man hat keine Lust zu beten. Das ist langweilig. Aber man hat auch keine Lust zum Nichtstun. Das kann man auch nicht genießen.

Ursache?

Evagrius sieht als Grund dieser Haltung oft kindische Ansprüche an das Leben: Weil das Leben meine Wünsche nicht erfüllt, weil es mich nicht zum Prinzen oder zur Prinzessin gemacht hat, deshalb weigere ich mich, dieses Leben zu leben, das mir zugedacht ist. Lieber bleibe ich in meinen Illusionen hängen, als mich der Realität hinzugeben und mich einzulassen auf diesen Augenblick. In diesem Sinn hat Bosch die Trägheit als schlafenden Mönch dargestellt: als schlafenden Mönch, für den das Gebet langweilig ist, der sich von Gott nicht berühren lässt; oft werden noch obszöne Träume abgebildet von denen die Schlafenden heimgesucht werden, die also in den Träumen ihre Illusionen von einem sündhaften Leben, das ohne Folgen bleibt, ausagieren. Sie, die Schlafenden, meinen, sie  können in ihrer Trägheit der Realität entfliehen und sich etwas ausdenken, was ihre infantilen Wünsche erfüllt, ohne dass sie dafür die Konsequenzen tragen müssen.