Genießen

 

Und als vierten Weg: der Weg des Genießens. Gierige Menschen sind unfähig zu genießen. Das Haben und Besitzen lässt keine zeit zu genießen weil der innere Antreiber schon nach mehr schreit und weiter und schneller drängt, oder viele Dinge nebenbei tun lässt (während des Lesens Musik hören, währenddessen das Smartphone im Blickhaben und warten ob mir jemand schreibt usw.)

Es braucht eine Schule des Genießens. Die höchste Stufe ist Gott zu genießen. Der Hl. Ignatius spricht  von verkosten. Die geistliche Tradition sieht im Weg des “fruitio dei” das Ziel des spirituellen Weges. Gott genießen heißt aber nicht, ihn zu besitzen. Gott ist der, der meine tiefste Sehnsucht stillt. Ich genieße seine Schönheit, seine Liebe. Genießen kann ich nicht festhalten. Ich kann es immer nur geschehen lassen.

Denn hinter dieser Verhaltensweise des “Mehrere Dinge gleichzeitig tun” verstecken sich eine oder mehrere Befürchtungen, die wir auf die Spur kommen können. Bei diesen Befürchtungen kann es sich um so genannte Glaubenssätze handeln, die sich im Laufe des Lebens in uns “eingeimpft” haben.

Solche Glaubenssätze können sein: Ich habe nicht genug zum Leben; Meine Zeit reicht nicht aus, um all das zu erledigen; Ich kann es mir nicht erlauben, zu genießen; Ich habe viel zu viel zu tun. Mir könnte jemand etwas wegnehmen; Ich will auf alles Unvorhergesehene vorbereitet sein; Diese und andere Sätze sind es wert hinterfragt zu werden. Sind es meine Gedanken oder habe ich sie übernommen oder anerzogen bekommen?

Übung:

Ihr könnt das auch bei der Übung in der Natur einüben in dem ihr das was euch fasziniert genießt. Beim Spazierengehen uns von der Natur überraschen lassen, ins Staunen kommen lassen, das Objekt eine Zeit lang genießen, die Stimmung genießen. Gleich auf den nächsten Moment warten und dasselbe geschehen lassen.

Oder: Wieder einmal barfuss laufen über einen weichen, kühlen Rasen, ein Moosbett im Wald oder im Garten; und in das Empfinden der Fußsohlen hineingehen.

Während des Spazierganges in der Natur den Wind im Gesicht und auf der Haut bewusst spüren. Wärmende Sonnenstrahlen aufnehmen und genießen.

Einen Apfel (oder andere Obstsorte) in seiner Form, Farbgebung und Beschaffenheit betrachten, den Duft einatmen, die Vorfreude auf den Geschmack intensiv wahrnehmen und spüren, auch die Geschmacksvielfalt (das ist auch mit einer Schokolade möglich)

Wünsche euch viel Freude dabei, und die Erfahrung: “Ich habe sie wieder (einmal) erfahren – meine Genussfähigkeit.”