Impuls 3. Woche Freitag

Das Gespräch mit Nikodemus

Impuls

Jesus hatte Freunde unter den Pharisäern, so war Nikodemus einer von ihnen. Er war sehr angesehen unter den Pharisäern, man könnte durchaus heute den Vergleich mit einem Bischof anstreben.

Nikodemus war nur heimlich ein Freund Jesu. Das kommt auch im Evangeliumstext so heraus: in der Nacht kommt er. Nikodemus spürt an diesem Mann ist etwas das Vollmacht hat. Die Neugier lockt ihn. Er kommt im Dunkeln zu Jesus. Er hat Angst gesehen zu werden. Er hat Angst es könnte seine Ehre und Ruf auf den Spiel stehen. Irgendwas musste diesen Mann faszinieren, dass er Jesus so nachgeht. Während Nikodemus beginnt Jesus zu schmeicheln, sein Wissen und Tun lobt und ehrt, kommt Jesus gleich zur Sache und zum Kern dieses Treffens. Er sagt Nikodemus gleich, das was sein Herz eigentlich ersehnt. Dieses neu geboren werden und hineinschauen in das Reich Gottes. Ein Kernsatz dieses Textes und unseres Glaubens ist: Solange ein Mensch nicht von neuem geboren wird, kann er nicht in Gottes neue Welt kommen.

Wie geht das wie soll das gehen fragt Nikodemus.

Nikodemus fragt sehr oberflächlich und materialistisch und weltlich denkend und obwohl der Nikodemus ein Geistlicher ist, wirkt seine Antwort unbeholfen. Jesus sagt ihm neu geboren werden aus dem Wasser und Geist. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. 

Nikodemus denkt vom Materiellen, von der Biologie her – Jesus aus der Kindschaft Gottes. Nicht über Leistung und Verdienste sind wir und leben wir in Gott, sondern weil wir seine Kinder sind … wir gehören zu Gott, wir sind Gottes Geschöpfe ich muss darum nicht ringen, schreien und kämpfen ich bin es einfach.

Aus dem Wasser und dem Geist: Viele sind schon getauft. Das reine Wasser der Taufe reicht nicht, auch nicht die Rituale und ein schönes Fest. Es braucht den Geist dazu, das sagt Jesus hier deutlich.  Alles was sinnlich und körperlich ist ist Fleisch ist materiell:

Ein Auto 2 oder 3 oder 4 Jahre alt, es zeigt Spuren von Abnützung, es ist nicht mehr neu. Beim Spielzeug ist es ebenso. Mit der Zeit wird es uninteressant. Oft ist es das mit anderen Gegenständen genauso. Spuren des Alters und der Vergänglichkeit lassen die Faszination des Neuen verblassen.

Anders wenn wir verliebt sind: das ist immer neu und prickelnd – ob wir 15 sind, 20, 40 oder 70 oder 90 Jahre alt. Ich kenne eine 70 jährige die verliebt ist und stundenlang wie junge Leute am Telefon hängt. Und es fällt mir der 90 jährige Mann ein, der kürzlich mit seiner neuen Freundin (85) Hand in Hand einkaufen ging. Verliebtsein ist oder es ist nicht oder vergeht. Liebe, Frieden, Dankbarkeit usw. sind aus dem Geist und werden nicht alt (Alte Liebe rostet nicht). Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.  Ich kann den Geist nicht kontrollieren. Er ist einfach da, wie der Wind. Den spüre ich an meiner Haut. Ich weiß aber nicht woher er kommt und wohin er geht. Der Geist Gottes ist nicht mehr oder weniger da. Der Geist Gottes ist mir ganz gegeben. Erfüllt sein vom Geist Gottes ist nicht halbertoder ein bisschen. Erfüllt sein vom Geist ist ganz. Erfüllt sein vom Heiligen Geist unterscheidet sich aber aus dem Geboren sein aus dem Geist.

Geboren sein, wiedergeboren sein aus dem Geist, setzt ein Sterben voraus. Ein Sterben meiner Egoismen, meiner Abhängigkeiten und Anhänglichkeiten.

Und dieses Sterben bewirkt eine neue Abhängigkeit (Abhängen, “Herunterhängen”). Positiv ausgedrückt ein verwurzelt sein im Himmel in himmlische Dinge, eben aus dem Geist (heraus) kommend. Das heißt: die Taufe aus dem Wasser ist wichtig und einleitend, muss aber auch vollzogen werden. In dem ich mehr und mehr eintauche und das sterbliche, fleischliche  verwandelt wird und als neuer Mensch wieder auftaucht. Dann kann ich mit Paulus sprechen: Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir (Gal 2,20). Nun frage ich mich: Wie ist das gemeint mit dem Sterben und verwandelt werden?

Eine möglich Antwort möchte ich mit dem Begriff der “dunklen Nacht” geben, die viele Menschen durchmachen und durchgemacht haben und neu (erneuert) erstanden sind. P. Cantalamessa beschreibt die dunkle Nacht der Seele so: “Es ist die Gegenwart-Abwesenheit Gottes: Gott ist da, aber man bemerkt seine Gegenwart nicht.”

Viele Mystiker haben die dunkle Nacht der Seele erfahren. Es scheint, als ob wir nach dem Feuer, der Euphorie, der ersten Begegnung mit Gott ein dunkles Tal durchschreiten müssen, damit unsere Liebe sich verwirklichen kann, reifen kann. Pater Dubay erklärte es einmal so: “Es gibt auf dem Weg zur echten Vereinigung (“unio mystica”) mit Gott eine Phase der Läuterung: die Phase der Reinigung, die “dunkle Nacht” genannt wird. Nach dieser gelangt die Seele zu einer Phase der Ekstase und zur echten Vereinigung mit Gott.” Maria Magdalena oder Petrus vor dem Bekenntnis: Herr geh weg von mir …, sie alle begegnen Jesus auf ihrem Lebensweg, die einen im Tiefpunkt ihres Lebens, Nikodemus auf dem Weg der Suche. Diese Begegnung in der die Liebe sich verwirklichen kann, reifen kann. Pater Dubay erklärte es einmal so: “Es gibt auf dem Weg zur echten Vereinigung (“unio mystica”) mit Gott eine Phase der Läuterung: die Phase der Reinigung, die “dunkle Nacht” genannt wird. Nach dieser gelangt die Seele zu einer Phase der Ekstase und zur echten Vereinigung mit Gott.”  Diese Begegnung mit Jesus krempelt das Leben dieser Personen um.  Lillit wird wieder zu Maria, ein Simon wird zu Petrus, ein Nikodemus wird zum Josef von Arimatäa (These)  glühende Kämpfer für Gott, dessen Glaubensfeuer dann oft nicht zu stoppen ist. Aus gescheiterte Existenzen, menschliche Wracks, werden sie Menschen die den christlichen Glauben in die Welt hinaus tragen und manche bis in das Herz der Welt, nach Rom. Doch bevor sie in die Welt hinaus ziehen, werden sie noch mal geläutert (wiedergeboren) Maria Magdalena kehrte im Film, nochmal zurück in ihr altes Leben bis sie ganz geheilt ist. Petrus verleugnet Jesus den er sein ganzes Leben anvertraut hat. Nikodemus kann sich nicht entschließen Jesus anzugehören, sie alle werden später geläutert oder verbringen Jahre in der Wüste. Das heißt, das innere Feuer, das die Begegnung mit Jesus entfacht hat, ist noch nicht der wahre Glaube. Es ist wie verliebt sein, doch der Glaube hat noch nicht die echte Liebe. Die Liebe zu Gott hat noch kein wirkliches Fundament. Möglicherweise haben sie in der Zeit der Wüste und in der Zeit des “Verzweifelt sein”, auch “die dunkle Nacht der Seele” durchlebt und erfahren. Erst nachdem ihr Glaube, ihre Liebe zu Gott, gereinigt wurde, ist sie bereit, die Liebe Gottes auch zu den Menschen zu tragen. Sind sie wiedergeboren aus dem Geist und können in Unabhängigkeit von dieser Welt Jesus mit ihrem Leben bezeugen.