Impuls 4. Woche Freitag

Liebe Pilger!

Diese Woche wollen wir Matthäus begegnen. Wir haben Ihn schon gesehen und gehört. In dem Film über Simon gab es eine Sequenz, wo er mit Simon gesprochen hat. Bevor Simon zum (letzten mal) Fischen geht, trifft er auf Matthäus, der ihn ermutigt sich den Behörden zu stellen, er würde ihm dabei helfen. Matthäus der aus reiner Logik heraus Simon überzeugen möchte, dass das die einzige Möglichkeit ist zu handeln und dem römischen System zu entsprechen, den er dient und das er gut bespielen kann.

Simon gibt ihm eine verblüffende Antwort: Ich geh fischen, das ist was ich kann und in dem will ich auch sterben wenn es sein muss.

Matthäus ein Mensch, den man leicht hätte hassen können, denn er war ein geldgieriger und dem römischen System dienender Steuerpächter. Im Auftrag des römischen Reiches belastete er die jüdischen Glaubensgenossen sehr. Matthäus fand das vollkommen in Ordnung und auch logisch, denn das ist das was er gut konnte und (fürs überleben) gelernt hatte. Für Matthäus gab es niemand Wichtigeren als sich selbst, mit seiner Intelligenz, seinem Wissen, seinem logischen Denken verließ er sich auf sein Können. Seine Umgebung war sicher nicht unschuldig daran, das er so geworden ist. Ein Genie ist immer auch ausgegrenzt unter Seinesgleichen. Auf wen sollt er sich in dieser Welt verlassen können, wenn nicht auf sich selbst?

Das änderte sich: Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm. 

In der Prallelstelle von Lukas heißt es: Und er tat es – er ließ alles stehen und liegen und ging mit Jesus. (Luk 5,27-28).

Viele fragen sich: Warum hat er das so radikal gemacht? Da muss doch schon etwas vorher in ihm passiert sein?

Wir können es nur vermuten. Das Fischwunder am See Genesaret, die wachsende Armut um ihn und seinen Anteil daran, allmählich durchschaute er auch das römische (korrupte) System. Seine Ideale, seine Vorstellung einer rein rationalen auf Logik aufgebauten Welt bekommt Risse, oder beginnt vielleicht schon zu bröckeln … in dieser wachsenden Unsicherheit, begann er möglicherweise schon zu suchen, nach Halt, nach geistigen Halt zu greifen. Und in dem Moment als seine Augen der Wahrheit ins Gesicht sahen begann er unruhig zu werden. Und als diese Wahrheit in Person, dann noch rief: Matthäus, Sohn des Alphäus, komm folge mir nach! Da brannten bei ihm die Sicherungen durch … Und die innere Sehnsucht, die  schon lange versuchte einen Weg zu suchen um durch den Beton von Logik und Mathematik zu kommen. Sie fand in diesem Moment des Rufes, das wahre Licht und die Gelegenheit Gott kennenzulernen und ihn mit aller Kraft zu lieben. Matthäus, dieser rationale, gerissene, egoistische Steuerpächter, begegnet der puren Liebe, des göttlichen Angenommenseins und das veränderte ihn sofort. Radikal.  Er erkannte in einem Moment, wie viel besser dieses erlösende System für ihn war.

Wenden wir uns nun zur anderen Seite, zu Jesus und fragen uns: Warum hat er diesen Mann gewählt, eingeladen ihm zu folgen. War es das Talent von Matthäus, als Buchhalter und Mathematiker. Seine Fähigkeit Lesen und Schreiben zu können, das später für das Aufschreiben des Evangeliums nützlich sein könnte? War es sein Mut gegen die Widerwärtigkeiten und Widerstände der Menschen cool zu bleiben? War es der Arbeitseifer und die Perfektion, die später bei den Missionsaufträgen vorteilhaft wären, um den Missionsauftrag zu erfüllen?   War es das? … Alles menschliche Logik!

Als Jesus Matthäus am Zoll sitzen sah, dachte er nicht: Den brauch ich, der kann gut mit Zahlen umgehen und ist ein durchsetzungsfähiger Typ, der gut mit dem  Schreibgerät umgehen kann. Jesus hat sein Team nicht nach den Lebensläufen, Kernkompetenzen oder Persönlichkeitstestergebnissen zusammengestellt. Nein, er brauchte keine Fähigkeiten. Er wollte Verfügbarkeit. Matthäus wurde nicht auserwählt anhand dessen, was er konnte. Er wurde berufen, weil er bereit dazu war, alles aufzugeben. Er beschloss, Jesus beim Wort zu nehmen, der sagte: Oft soll ich euch nur zur eigenen Selbstverwirklichung dienen, doch genau dann werdet ihr weder mich noch euch selbst finden. Doch wenn ihr euch einfach vergesst und auf mich schaut, werdet ihr beides finden: euch selbst und mich …

Oft soll ich euch nur zur eigenen Selbstverwirklichung dienen, doch genau dann werdet ihr weder mich noch euch selbst finden. Doch wenn ihr euch einfach vergesst und auf mich schaut, werdet ihr beides finden: euch selbst und mich …  (frei interpretiert nach Mat 10,39)